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Der „Baumarkt“-Bus

Wie bekommst du in einen „stinknormalen“ Transporter ein Bett….

Die Ausgangssituation

Ich habe 2 VW-Transporter (T2) und 3 MB-207D vor zig Jahren und als Vater von 2 kleinen Stöpseln zu Campingzwecken umgebaut. Viele Gas- Abwasseranlagen, Bettfunktionen, Hubdächer, Schränke und Drehsitze später kam mir mit meinem Ruhestand die Idee, mir/uns mal wieder mobilere Übernachtungsmöglichkeiten zu schaffen. Dabei sollte aber die Möglichkeit bestehen bleiben, das Gefährt auch für ganz normale Transportzwecke nutzen zu können. Dazu sollten die werkseigenen Einbauten samt Sitzen drin bleiben.

„Small Interior“: Ein kleiner Gaskocher für draußen ersetzt die sonst üblichen gastüvpflichtigen Einbauten, ein Wasserssack und eine Abwaschschüssel  die 12V Tauchpumpe (mgl. mit Ablauf quer durchs Auto) werden in den Staukästen im Heck untergebracht.

Ein kleiner Luxus sind die nachgerüsteten Drehkonsolen für die Vordersitze. Diese ermöglichen, dass bei gedrehten Vordersitzen vier Personen Platz um den Tisch im Fahrgastraum haben. So steht der restliche Platz im Heck für Stauraum zur Verfügung. Der Rest der folgenden Einbauten stammt aus dem Baumarkt.

Die Unterkonstruktion

Grundsystem befestigen

Netterweise kann man die Lehnen der Fahrgastsitze bei den meisten Vans umklappen, damit lässt sich auf ca. 60cm Höhe eine Liegefläche einrichten.

Das Grundsystem  besteht  aus drei vertikalen eingebauten 8mm breiten Tischlerplatten (540x600mm) als Träger im Heck-Laderaum, die unten am Schienensystem befestigt werden (s.u.) und oben mit einer 16mm Tischlerplatte (650mm x 1400mm)(1) horizontal abgedeckt werden. Diese Abdeckung ist damit die erste von drei Aufliegeflächen  für die Matratzen. Sie wird z.B. mit Schrankverbindern an den Vertikalplatten befestigt, wenn das Grundsystem ausbaubar bleiben soll. Die beiden äußeren Vertikalplatten werden mit einer Winkel-Schraub-Klemmkonstruktion ohne Bohrung an die Seitenwand des Gepäckraumes geklemmt.

Die unteren Plattenkanten wurden mit Metallwinkeln und umgedrehten Schlossschrauben (Gewinde nach oben) in die Schienen eingeklinkt und von oben mit 10mm langen Sechskantmuttern (lassen sich besser erreichen und verschrauben) arretiert. Die Zwischenräume zwischen den Befestigungen wurden mit Holzschienen (Vierkantholz) ausgefüllt, um das Gewicht der darüberstehenden Kisten aufzunehmen.

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Klemmkonstuktion Seitenhalt
schrankverbinder
Horizontal-Vertikal Verbindung
schienenverbinder
Bodenverbindung (Schienensystem)

Stauräume

Da ich keine die Liegefläche einengende Seitenschränke haben wollte, wurden die Stauflächen als stapelfähige Buchenholzkisten (versch. Größen bei z.B. „Bauhaus“) im Heckladebereich zwischen dem Grundträgersystem aus drei hochkant stehenden 8mm Tischlerplatten untergebracht. Dabei habe ich mich an dem vorhandenen Schienensystem orientiert. Da es sich meistens um ein Vierschienensystem handelt, ich aber nur 3 Stützflächen einbauen wollte, um mehr Flexibilität bei der Staukastengröße /-breite zu gewinnen, wurden die Unterstützungsabstände nach dem Gewicht der späteren Bettbenutzer ausgerichtet. Die Schweren müssen in diesem Bus auf der linken Seite liegen. Die Kästen können im Gegensatz zu einem Schubladensystem einzeln entnommen werden und finden z.B. bei Campingaufenthalten auch woanders Platz im Auto oder im Vorzelt.

staukastenVor dem Start können sie auch in der Wohnung befüllt werden und dann wieder ins Auto verstaut werden. Die unterste und die oberste Kiste sind mit einer Flügelschraube mit Einschlaggewindehülse an den äußeren Vertikalstützen befestigt.

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Staukästen-Auszug rechts

Die auf der rechten Seite quer eingebauten Staukästen sitzen noch einmal auf einer Unterkonstruktion die ausziehbar ist (weißer Schubladenvollauszug  von „Bauhaus“). Die Auszüge wurde mit zwei 600mm langen Querbrettern stabilisiert, so dass der unterste Kasten (mit Schubladenträger verschraubt) noch entnommen werden kann, ohne die Seitenauszüge heraus nehmen zu müssen. Mit dieser Schubladenfunktion kann der gesamte rechte Stauraum herausgezogen werden, z.B. um auf oder im obersten Kasten (Küchenbrett quer drüber legen) zu kochen o.ä..

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Auszug-Unterbau

Bettfunktion

Für die Bettfunktion benötigt man noch zwei 16mm Tischlerplatten (1400mm x 700mm), die im Staumodus auf der hinteren Bettunterplatte liegen. Daraus ergibt sich dann eine „feudale“ Liegefläche von 2,1 x 1,4 Metern.20150705_071021

Die drei Vertikalplatten ragen zum Fahrgastraum ca. 50mm über die Auflagenkante der hinteren Bettunterplatte,  damit bilden sie die hintere Stützauflage für die zweite horizontale Bettunterplatte (2), die ca. 1400mm x 650mm misst. Diese Platte besitzt Bohrungen, die Vertikalplatten besitzen Schraubenführungen (Scharnierhülsen), so kann sie auf den Überständen der Vertikalplatten mit Hilfe von Schlossschrauben fixiert werden. Damit wird ein Verrutschen beider vordere Platten verhindert. Die vordere Kante dieser Platte wird von einer halben mittleren Dreibeinstütze getragen. Die vordere Bettunterplatte (3) liegt dann auf der anderen Hälfte der mittleren Bettstütze (A).  Am vorderen Ende der Bettfläche wird diese Platten(3) dann von der vorderen Dreibeinstütze (B) getragen.

Im Gegensatz zu (2), die an (1) nicht fest verankert ist (aber arretiert werden kann), sind (2) und (3) mit zwei Scharnieren verbunden. So lassen sich zum Aufbau (2) und (3) gefaltet aus ihrer Transportlage über (1) nach vorne schieben, dann auf (A) stützen, dann (3) aufklappen und auf (B) stützen, danach wird alles mit Schlossschrauben an den Stützen befestigt. Man benötigt dabei eigentlich keine Muttern, da sich das System selber stabilisiert. Wem das aber zu unsicher ist, kann auf (3) in die vorderen Bohrungen von oben Einschlaggewinde setzen und dann von unten Schrauben mit Drehgriffen (auch von „Bauhaus“ beziehbar) einschrauben.

Durch den Überstand Richtung Fahrgastraum ergibt sich übrigens im Heckklappenbereich während der Fahrt, die Möglichkeit, längere flache Gegenstände vor den Staukästen unterzubringen und trotzdem noch die Heckklappe schließen zu können (z.B. einen Campingtisch usw.).

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Platten in Transportstellung

Bettstützen

Wie die mittlere und vordere Bettunterplatte über den eingeklappten Sitzen gestützt werden sollen, ergab sich durch einen intensiven Streifzug durch den Baumarkt.

Meine erste Idee, ausklappbare Stützkonstruktionen, die fest an den Plattenunterseiten befestigt werden, anzubauen, ließ ich fallen, als ich auf sehr günstige anschraubbare Tischfüße (rund, 600mm hoch) stieß.

Drei Beine pro Stütze  unter eine 19x9x1200mm Sperrholzleiste geschraubt, müssten eigentlich den richtigen Zweck erfüllen. Durch die 90mm Breite der Leiste, kann man nun zwei Platten auf Stoß in die Mitte aufsetzen. Die Platten werden durch zwei Bohrungen (Abstand ca. 1000mm) durch Platte und Stützleiste mit einer Schloßschraube fixiert. Dabei müssen die Schrauben nicht gekontert werden, die Platten stabilisieren sich durch das Eigengewicht.

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Verschraubung an Stützleiste
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Stützbeine stehen auf Schienensystem

 

 

 

 

 

 

 

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Plastikfüße nach Beinkürzung

Die Tischbeine werden so angebracht, dass sie unten auf den Schienen der Sitzbefestigungen aufsetzen.  Die 600mm Tischbeine wurden von mir um 40mm gekürzt, was mit einer Metallsäge sehr einfach zu machen war. Die vorher entfernten Plastikfüße wurden danach wieder eingesetzt. Der oben angesetze Teller der Beine wurde mit 4 Schrauben an der Sperrholzleiste befestigt.Matrazen-Auflage

Man muss ja auch mal Glück haben.. Beim abendlichen Besuch in unserem Aldi, eigentlich betreten für einen ganz anderen Zweck entdecken wir Kindermatratzen in dem Maßen 1400x700mm und das auch noch herabgesetzt. Drei von den vier vorhandenen werden sofort eingepackt. aldimatratzDie längeren Überlegungen, sich Matratzen im Schaumstoffladen mit dort genähten Bezügen anfertigen zu lassen, sind damit ad acta gelegt. Für 105 Euro eine Auflage zu bekommen, die schon bezogen ist, stellt ganz klar einen Glücksfall dar. Eine Alternative wäre übrigens auch gewesen, z.B. eine selbst aufblasbare Trekkingmatratze von Globetrotter zu nehmen, die preislich gar nicht so wild sind und sich natürlich gut verstauen lassen. Unsere Aldis lassen sich aber im Heck gut aufstapeln und man hat sogar noch die Übersicht nach hinten während der Fahrt.