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Nordisch seit 40

Norddeutschland, Hamburg und Schenefeld

Humor/Sprache/Landschaft/Soziales/Verkehr/Fahrrad-Wege

Erst einmal der Hinweis für Norddeutsche: Das was jetzt kommt, ist mit einem Augenzwinkern zu lesen.

Meine Lebensdrehung „auf Nord“ dauert nun schon fast 40 Jahre an und trotzdem gibts da ein paar Dinge, die sich immer mal wieder in den Weg oder Blick stellen, weil sie nicht von Kindheit an als Gewohnheit „inhaliert“ worden sind.

Meine eigenen Kinder, alle in Hamburg geboren, aufgewachsen und noch immer hier lebend, gehen ganz selbstverständlich mit den Gepflogenheiten der Nordlichter um oder haben sie sich schon längst zu eigen gemacht, was die Dinge, die unten beschrieben werden, für mich nicht einfacher werden lassen.

 

Der Humor

Humor/Sprache/Landschaft/Soziales/Verkehr/Fahrrad-Wege

Nichts zwischen südlichem Mittelhesse und Nordlicht ist deutlich unterschiedlicher als der Humor bei alltäglichen Ereignissen. So kommentiert der Hesse in mir Ärgerlichkeiten im Beruf und oder Alltag grundsätzlich satirisch/ironisch aber auf jeden Fall spöttisch. Dabei wird immer die eigentliche Vermeidbarkeit durch vorheriges Nachdenken des nachfolgenden Ereignisses mit einbezogen. Außerdem wird das Eintreten des vorher klar absehbaren Ereignisses meistens in eine Verneinung gewandelt: “ Ist ja klar, dass man das vorher überhaupt nicht sehen konnte“. Das Norddlicht reagiert da eher mit „Das hätte man eigentlich sehen müssen“.

Eine eher drastische Ausdrucksweise bei z.B. Wiedersehensfloskeln für Freunde ist in meiner früheren Heimat, besonders um Frankfurt herum, alltäglich. Kein einheimischer Freund würde einem nach längerer Sehenspause „na du alter (ale) Depp“ übel nehmen. Dass vorher schon ein „Ei Gute“ ausgetauscht wurde, kann passieren, muss aber nicht.

Überhaupt bin ich von früher Jugend daran gewöhnt, dass der südliche Mittelhesse nur spärlich mit Lob und Aufmerksamkeiten umgehen kann. Ein herausragendes Essen wird da mit „Kann man (mer) essen (esse)“ kommentiert, ein regelmäßig wöchentlicher Besuch von Personen, die sich mögen, wird mit „bist du auch mal wieder da“ (biste aach ma (mo) widder da (do)) kommentiert.

 

Die Sprache

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Das hessische „Ei“ am Satzanfang ist dabei ein wichtiges Stilmittel und drückt immer aus, dass der Sprechende über etwas eher erstaunt oder empört ist. Ist der Satz ein dringender Auftrag wird „Ei“ aber als Aufforderung eingesetzt: „Ei, jetz(t) mal (ma) los (voran). Die kürzere Form im Frankfurter Raum wäre aber dann noch „Uff gehts“ oder „Uff jetz“.

In Hamburgs Westen dagegen versteigt sich das meist weibliche Norddlicht schon einmal in ein „tausend Dank“ für das Auffüllen eines Papierschachtes am Kopierer. Der Hesse würde mit einem leichten Lächeln, vielleicht auch Grinsen eher dazu neigen, sich für diese Gefälligkeit mit „das nächste Mal aber ein bisschen schneller (ei, des nächste Ma, aber e bissi schneller, gell)“ zu bedanken. Dabei muss das Gegenüber natürlich weniger auf die Worte, als auf den Gesichtausdruck achten. Und das klappt beim gebürtigen Norddlicht in 99,9% der Fälle nicht. Diese hessische Kommunikationsweise besitzt häufig eine Chance, dem Gesprächspartner doch noch „die Wahrheit“ zu sagen. Das klappt zwischen sprachlich-emotional gleichsozialisierten Mitmenschen ziemlich gut. Aber beim Umzug in den Norden steht man damit auf verlorenem Posten. Meine BerufskollegInnen aus den anderen Teilen Deutschland verstehen größtenteils den etwas ironischen Ansatz, das Nordlicht aber nicht.

Sie sind eine eingeschworene Gemeinschaft von näselnden Zeitgenossinnen und -genossen, die kaum einen außernorddeutschen Dialekt verstehen noch ihn irgendeiner Region des Restdeutschlandes zuordnen können. Das „ä, Ä“ ist ein unbekannter Buchstabe, der zwar geschrieben wird, vorausgesetzt man ist der deutschen Schriftsprache mächtig, aber grundsätzlich in der Aussprache zugunsten des „e,E“ ersetzt wird. Das „g,G“ wiederum wird in der Aussprache zu einem „ch“ gewandelt, was sich beim Näseln auch leichter anhängen lässt. So mutiert Hamburg zu „Hamburch“ und der Brotteig wird zu „Brotteich“, man geht „wech“, wenn man das Haus verlässt und man kommt vom „Weech“ ab, wenn man durch z.B. „Klötenköm“ im Straßengraben gelandet ist.

Zum sprachlichen Umgang gibt es noch eine ganze Reihe von Merkwürdigkeiten. Als ein inzwischen befreundetes norddeutsches Paar, meinen Dank für eine Hilfeleistung immer mit dem Antwortsatz „da nich(t) für“ quittierten, dauerte es doch eine ganze Weile, bis mir dämmerte, dass es sich um das „gern geschehen“ eines Restdeutschen handeln könnte. Die regionalen Unterschiede bestehen dabei dann noch in einem „nich dafür“ oder „dafür nich“ (wobei das t am Ende grundsätzlich nicht gesprochen wird!!).

Auch dass beim Weglassen, Nichterwähnen oder Nichtbehandeln, z.B. von Geprächthemen oder -punkten, etwas „außen vor“ gelassen werden soll, war anfangs befremdlich.

 

Die Landschaft

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Wer in der hessischen Wetterau groß geworden, kennt das Flachland, allerdings immer nur bis zum nächsten sanften Hügelrand. Wer sich darüber hinaus traut, wird auch mit einem Mittelgebirge wie dem Taunus oder der südlichen Rhön konfrontiert. Wer dann nach Hamburg und im späteren Verlauf in den Speckgürtelort Schenefeld zieht, muss sich mit den natürlichen Gegebenheiten Norddeutschlands langjährig wohl oder übel vertraut machen. Ja, da ist die relative Nähe zur Küste und die Elbe ist auch viel breiter als der Main. Aber hier werden Maulwurfshügel schon als größere Erhebung anerkannt und die Hamburger Radfahrer stöhnen über Streckenanstiege, die ein normal entwickelter Mittelgebirgler nur mit der Lupe erkennen würde.

Dass man den Besuch drei Tage vorher erblicken kann, gilt aber weder für Ostfriesland noch fürs Hamburger Umland, ein kleiner Strauch von 2 Metern Höhe vereitelt dieses Vorhaben sofort. Da ist ein Blick vom Gr. Feldberg im Taunus schon Erfolg versprechender.

 

Das Soziale

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Im Normalfall bleiben im Restaurant an einem 6 Stühle-Tisch 4 Plätze unbesetzt, wenn sich dort schon 2 fremde Personen eingenistet haben… Eine Undenkbarkeit in Südhessen, dort wird die Gelegenheit genutzt, die heranstürmenden 4 Rest-Personen innerhalb kürzester Zeit nach allen Regeln der Kommunikationstechnik weiträumig auszuhorchen. Aber meistens berichtet der Südhesse auch freiwillig ungefragt über seine intimsten Befindlichkeiten.

Hat man aber ein Nordlicht-Herz gewonnen, was allerdings ein paar Monate bis Jahre harter Arbeit bedeutet, gibts als Belohnung Freunde fürs Leben, fürs Feiern (allerdings ohne Tanzen), für den Umzug, für die Kinderbetreuung, fürs Mitnehmen, fürs Einkaufen und fürs Home-Cooken. Sie sind dann absolute Super-Sozialtypen, vermutlich, weil sie sich bei jeder großen Sturmflut aneinander festhalten mussten, vielleicht wars aber auch hinterm Deich sonst einfach zu langweilig…

Je südlicher ich in meinem Leben verschlagen wurde, desto schneller bekam ich Kontakt, desto schneller wurde dieser aber auch wieder verloren…

 

Die AutofahrerInnen und die Schenefelder Verkehrsführung

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Wer lange in Hamburg gewohnt und mit dem bekannten und von den Einheimischen hoch verehrten HH-Kennzeichen fahren durfte, wird beim Wohnungswechsel in den Kreis Pinneberg von Bekannten, aber besonders auch den Familienmitgliedern, mitleidig belächelt.

„Provinz-Idiot“ zu sein scheint anfangs ein harter Schlag zu sein, aber bei näherer Betrachtung und etwas Einübung in die teilweise schon gewöhnungsbedürftige Provinzfahrweise, zeigen sich doch interessante Tatsachen. Die langsamsten und schwerfälligsten Autofahrer sind bezeichnender Weise nicht die mit PI-Kennzeichen, sondern die over 70 Mercedes-Fahrer aus Hamburg, die den Kreis Pinneberg gerne als Ausweichstrecke von Süd-West nach Nord-Ost-Hamburg nehmen, weil sie sich die Strecke durch Hamburg nicht mehr zutrauen, aber auf ihren völlig überdimensionierten Wagen nicht verzichten wollen.

Sicherlich ist die Straßenführung in Schenefeld in weiten Teilen nicht dazu angetan, für flüssigen Verkehr zu sorgen. Abkürzungsstrecken durch Wohngebiete wurde schon vor Jahren der Kampf angesagt. Regelmäßig stauen sich zur Feierabend- und Arbeitsanfangszeit die Autokolonnen auf der Lornsenstraße und der Blankeneser Chaussee, sinnvolle Kreisverkehrführungen finden eher selten statt. Auf der Lornsenstraße muss der Gegenverkehr anhalten, wenn der VHH-Bus aus dem Kreis in Richtung Schenefelder Platz weiter möchte, auf der Hauptstraße am Anfang von Schenefeld Dorf/Autal stoppt der Bus alle Hintermänner/-frauen, weil direkt vor der Kreiseinfahrt die Bushaltestelle liegt. Auf dem gerade vom Pförtnerhaus entkernten Lornsenplatz/Fünffingerkreuzung sind Parkbänke anscheinend wichtiger als die Einrichtung eines Kreisverkehrs.

Wem dass noch nicht reicht, der kann ganztägig Slalomfahren auf der Friedrich-Ebert-Allee oder auf dem Swatten Weg üben. Seit Jahren steht da übrigens ein Dauerparker-Campingbus an der selben Stelle, der von allen Verkehrsbussen umkurvt werden muss und ….. er hat ein Hamburger Kennzeichen. Da lässt sich leicht über PI-Fahrer meckern….

Wer jetzt denkt, dass wäre alles in Schilda erdacht, irrt gewaltig. Ich vermute, dass es sich um ein Entschleunigungs- und Ökokonzept handelt, weil Schenefeld mit den schlechten Hamburger Verkehrsemissionen und Staus mithalten möchte, um endlich von Hamburger Autofahrern wahrgenommen zu werden. „Rote Welle“ wie in Hamburg, das können wir auch!!

Andererseits sollte man auf noch mehr Kreisverkehrsführungen vielleicht auch aus einem anderen Grund verzichten. Weder die HH- noch die PI-Fahrer beherrschen auch nur in Ansätzen das Ein- oder Ausfahren in einen Kreisverkehr…

Blinken beim Reinfahren? Nicht-Blinken beim Rausfahren? Gar nicht Blinken?? Fast jeder in den Kreisel Einfahrende bleibt in HH- und PI-Land stehen, weil die/der Ausfahrwillige vergessen haben, den Ausfahrtblinker rechtzeitig am Lenkrad zu suchen und zu finden.

Und außerdem ist ja das Blinken zum Zwecke der „Richtungswechselanzeige“ sowohl in HH als auch in PI total uncool geworden. Ich denke vor lauter Handygefummel oder Musikgedröhne im Auto ist es den meisten egal, wo sie hinwollen und welche Entscheidung ist dann besser als der Zufall, den man nicht vorher durch Festlegung beeinflussen möchte.

Wer, um den größten Tücken zu entgegen, jetzt aufs Fahrrad umsteigt, sollte aber bedenken, dass die meisten Fahrradwege in Schenefeld noch aus der Vorkriegszeit stammen müssen. Unebenheiten, die eine starke Hornhaut am Hintern verlangen, auf den Wegen stehende Bäume, nicht geschnittene Büsche, Verkehrsampel, die mit und oder ohne Drücken funktionieren (wozu dann ein Knopf?), eine Wegeführung, die um Leib und Leben der benachbarten Fußgänger fürchten lässt, all das macht das Fahrradfahren zum unwiederbringlichen Abenteuer.

Die Fahrrad-Wege und die Schenefelder Verkehrsführung

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Zugegeben, wer schon mal in südlicheren Städten mit dem Fahrrad unterwegs war, fühlt sich in Hamburg und Schenefeld eigentlich wie im Fahrradwege-Schlaraffenland. Es gibt eine Menge davon; in HH werden jetzt schon die Autofahrspuren durch Fahrradspuren zusätzlich verengt, keine guten Aussichten für SUV-Fahrer und Fahrradfahrer, wenn sie in Kontakt geraten sollten.

Also es gibt Fahrradwege, es gibt gute Fahrradwege und …und darum gehts auch, es gibt miserable Fahrradwege. Es gibt die zugewucherten, es gibt die Bandscheiben-Hintern- Schädigenden, es gibt die Plötzlich-Aufhörenden und die mit Fußgängerbeteiligung.

Bei Letzteren frage ich mich immer, warum man als Fußgänger ohne Bürgersteig auf einer Straße entgegen der Fahrtrichtung laufen soll, ich als Fahrradfahrer die Fußgänger auf einem geteilten Weg aber von hinten mit oder ohne Klingeln überfallartig erschrecken darf. Wäre es da nicht besser, die Fußgänger könnten den entgegen kommenden Fahrradfahrer sehen. Stattdessen bekommt man ein Verwarnungsgeld, wenn man mit dem Fahrrad auf einem Fahrradweg entgegen der Autofahrtrichtung fährt, äh… auch für die Autofahrer wäre es leichter beim Abbiegen, den entgegen kommenden Fahrradfahrer von vorne zu sehen, anstatt sich erst den Hals verrenken zu müssen. Nun gut, jetzt aber zurück zum eigentlichen Anliegen:

 

Die Fahrradwege in Schenefeld

Als Siedlungsbewohner hab ichs da relativ gut, ich muss mich nur mit zu hohen Kantsteinabsenkungen abplagen, sollte ich einmal die Straße überqueren. Mein Bedauern besitzen die Fahrradbesitzer, die im Dorf wohnen und aus Versehen Richtung Hamburg abbiegen, denn die müssen, wollen sie nicht den Umweg am Tennisgelände vorbei machen, gute Bandscheiben besitzen, um die Blankeneser Chaussee/Schenefelder Landstrasse zu bewältigen. Es erwartet sie ein Flickenteppich an unsauber angepassten Bodenbelägen, Gullideckel und Masten, die die Fahrbahn einengen und das Ganze zu einer Slalomtour machen.

Möchte man auf dieser Strecke nicht entlang fahren, sondern sich mehr in der Natur bewegen, bleibt nur die Osdorfer Feldmark, deren Schenefelder Einfahrt viele nur erahnen können oder die nicht sehr naturnahe Durchquerung des Osdorfer Born. Die Kuriosität an der Feldmarkstrecke ist, dass, wenn man den rechten Abzweig hinter dem Schacksee wählt, in weitem Boden um das XFEL-Gelände westwärts herumgeführt wird und eigentlich wieder in der Nähe der Blankeneser Chaussee endet. Das ist nicht gerade die perfekte Wegeführung. Wählt man den linken Abzweig am Schacksee, landet man entweder in Alt-Osdorf oder man muss wieder am Born-Freibad Richtung Iserbrook abbiegen. Indirekter gehts wohl nicht. Ich weiß, es gibt noch den Schleichweg am ehemaligen Verkehrsübungsplatz vorbei, durchs Wäldchen neben der Gärtnerei. so richtig offiziell sieht das aber nicht aus. Vielleicht versucht Schenefeld mit dieser Wegeführung ja die Steuerflucht zu verhindern. Dabei profitieren sie doch schon als Hamburger Speckgürtel von den Einkommensteuern, die von den Bürgern in Hamburg verdient werden. Hat man dann Iserbrooker Staatsgebiet erreicht, kann man nur noch die linke Straßenseite benutzen, allerdings auf einem Fahrradweg, auf dem zwei entgegen kommende Fahrer ihre Mühe haben, vorbei zu kommen.

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